Wohnraum
Warum mir das Thema wichtig ist
Eine lebenswerte Stadt entsteht nicht zufällig. Sie braucht klare Ziele, einen realistischen Blick auf das Machbare und Entscheidungen, die sich am Alltag der Menschen orientieren. Für mich bedeutet Stadtentwicklung, Wohnen, Arbeiten, Kultur und öffentliche Räume so zu gestalten, dass Lindau dauerhaft lebendig und lebenswert bleibt.
Ein zentrales Anliegen ist mehr dauerhaftes Wohnen in der Stadt. Wohnraum muss bezahlbar, bedarfsgerecht und langfristig nutzbar sein – für Familien, Alleinstehende, Seniorinnen und Senioren ebenso wie für junge Menschen. Stadtentwicklung darf sich nicht nur an kurzfristigen Nutzungen orientieren, sondern muss das alltägliche Leben vor Ort stärken.
Gleichzeitig gehört zu einer lebendigen Stadt ein vielfältiges Kulturangebot über das ganze Jahr hinweg. Kultur, Begegnung und gesellschaftliches Leben brauchen Räume, die zugänglich, gut erreichbar und flexibel nutzbar sind. Öffentliche Plätze sollen Orte des Miteinanders sein – für unterschiedliche Generationen, Interessen und Lebenslagen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist für mich die Qualität unserer öffentlichen Räume. Dazu zählen ein gepflegtes Stadtbild, gut gestaltete Plätze und Wege sowie eine Stadtgestaltung, die sich harmonisch in das bestehende Umfeld einfügt. Begrünung, weniger versiegelte Flächen und ein bewusster Umgang mit Freiräumen sind dabei keine Nebenaspekte, sondern wesentliche Elemente einer zukunftsfähigen Stadt.
Ebenso wichtig sind klare und verlässliche Rahmenbedingungen für alle, die an Stadtentwicklung beteiligt sind. Klare Zuständigkeiten, gut abgestimmte Abläufe, nachvollziehbare Anforderungen und realistische Zeitrahmen schaffen Vertrauen – sowohl innerhalb der Verwaltung als auch für private und gewerbliche Vorhaben.
Entscheidungen sollten zügig, rechtssicher und transparent vorbereitet und umgesetzt werden. Das bedeutet: verständliche Verfahren, klare Kommunikation und eine Verwaltung, die ermöglicht statt unnötig zu verzögern. Nur so entstehen Planungssicherheit und Akzeptanz für notwendige Entwicklungen.
Mein Anspruch an Wohnen und Stadtentwicklung ist klar: lebensnah, ausgewogen und verantwortungsvoll. Lindau soll sich weiterentwickeln, ohne seinen Charakter zu verlieren – mit Lösungen, die tragfähig sind und von den Menschen mitgetragen werden.
Aktuelle Ausgangslage
Nach den Auswertungen der bulwiengesa-Wohnraumanalyse für das Allgäu sowie städtischer Erhebungen zeigt sich für Lindau und den Landkreis Lindau ein klarer Trend:
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Die durchschnittliche Haushaltsgröße sinkt – von rund 1,96 Personen (2012) auf voraussichtlich 1,86 Personen bis 2030.
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Es entstehen also mehr, aber kleinere Haushalte, was den Bedarf an kompakten und barrierefreien Wohnungen deutlich erhöht.
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Gleichzeitig bleibt die Bevölkerung im Landkreis insgesamt stabil, teilweise sogar leicht wachsend – vor allem durch Zuzug.
Das bedeutet: Der Bedarf an Wohnraum steigt weiter, auch wenn die Einwohnerzahl kaum wächst. Denn kleinere Haushalte brauchen mehr Einheiten bei gleicher Bevölkerungszahl.
Qualitativer Bedarf:
Was fehlt wirklich?
Eine Analyse des Stadtbauamts Lindau (2019) zeigt deutlich:
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3-Zimmer-Wohnungen sind am stärksten gefragt – sie passen zu Paaren, kleinen Familien und älteren Menschen.
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Im Bestand überwiegen jedoch größere Wohnungen: Rund 30 % der Wohnungen haben 4 oder mehr Zimmer, während nur 27 % der Wohnungen dem Bedarf von Zwei-Personen-Haushalten entsprechen.
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Besonders fehlt es an bezahlbaren Mietwohnungen in zentraler Lage und an altersgerechtem Wohnraum.
Hinzu kommt: Viele Bestandswohnungen stammen aus den 1960er–1980er Jahren und müssen energetisch oder barrierefrei modernisiert werden, um zukunftsfähig zu bleiben.
Quantitativer Bedarf:
Wie viel Wohnraum braucht Lindau?
Eine exakte kommunale Bedarfszahl ist bislang nicht öffentlich ausgewiesen, doch auf Basis der regionalen Prognosen lässt sich ableiten:
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Bei einer sinkenden Haushaltsgröße um rund 0,1 Personen bis 2030
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und einer stabilen Bevölkerungszahl von ca. 27.000 Einwohnern
ergibt sich ein zusätzlicher Bedarf von etwa 400 bis 600 neuen Wohneinheiten allein, um die demografische Entwicklung auszugleichen.
Rechnet man Ersatz für sanierungsbedürftige oder wegfallende Altbauten hinzu, liegt der realistische Gesamtbedarf bis 2030 bei rund 700 bis 900 Wohnungen – das entspricht rund 80 bis 100 neuen Wohnungen pro Jahr.
Strategische Ansätze für Lindau
Die Stadt Lindau verfolgt bereits verschiedene Maßnahmen:
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Nachverdichtung im Bestand (z. B. Insel und Aeschach)
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Neue Baugebiete mit gemischter Nutzung (z. B. Eichwaldquartier)
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Kooperation mit Genossenschaften und Investoren, um sozialen und bezahlbaren Wohnraum zu fördern
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Wiederbelebung bestehender Gebäude durch Sanierung, Aufstockung oder Umnutzung
Ziel muss bleiben, den richtigen Wohnraum am richtigen Ort zu schaffen:
Kleinere, energieeffiziente und bezahlbare Wohnungen für die, die in Lindau arbeiten, Familien gründen oder hier alt werden wollen.
Fazit
Lindau steht beim Thema Wohnen vor einer doppelten Herausforderung:
Mehr Nachfrage trotz begrenzter Fläche – und zugleich ein Wandel in den Wohnformen.
Deshalb braucht es klare Strategien, vorausschauende Planung und den Mut, auch unkonventionelle Lösungen zu denken – damit Lindau eine Stadt bleibt, in der Menschen aller Generationen ein Zuhause finden.
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