Sven Dartsch

Kandidat der CSU für den Lindauer Stadtrat, Listenplatz 3

Zwei Mitarbeiter, viele Schuldzuweisungen – und eine Führung, die sich wegduckt

Jan. 8, 2026 | Allgemein | 0 Kommentare

Dieser Beitrag stellt eine politische Bewertung und persönliche Einschätzung dar.

Was derzeit rund um das Bauamt der Stadt Lindau geschieht, ist mehr als eine Diskussion über Nebentätigkeiten. Es ist ein Lehrstück darüber, wie Verantwortung verschoben wird – und wie am Ende diejenigen öffentlich „an die Wand gestellt werden“, die eigentlich das Rückgrat der Verwaltung bilden.

Zwei leitende Mitarbeiter des Bauamts haben sich an der Gründung einer privaten Beratungsgesellschaft beteiligt. Rechtlich – so die öffentliche Darstellung der Stadt – war diese Nebentätigkeit zulässig. Kein Regelverstoß, kein Rechtsbruch. Und dennoch entwickelte sich daraus binnen kurzer Zeit ein politischer und medialer Sturm.

Die zentrale Frage lautet daher nicht: War das erlaubt?
Sondern: Warum wurde ein offenkundiges Konfliktpotenzial nicht frühzeitig erkannt und verhindert?

Denn klar ist: Eine solche Konstellation entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie entsteht in einer Verwaltung, in der Führung, Kontrolle und klare Leitplanken entweder fehlen oder zu spät greifen. Wer heute mit dem Finger auf einzelne Mitarbeiter zeigt, muss sich morgen fragen lassen, warum die Dienstherrin nicht gehandelt hat, als sie noch gestalten konnte.

Besonders bemerkenswert ist dabei eines:
Der Stadtbaumeister der Stadt Lindau hat öffentlich erklärt, bei der Stadt Lindau zu bleiben und nicht in der neu gegründeten Firma tätig zu werden. Das ist eine klare, persönliche Entscheidung zugunsten des öffentlichen Dienstes – und gegen eine private Option.

Und dennoch wird der Eindruck erweckt, als müssten nun vor allem die Betroffenen den Preis zahlen.

Warum wird kaum darüber gesprochen,

  • warum zwei hochqualifizierte Fachkräfte überhaupt über eine solche Nebentätigkeit nachgedacht haben,
  • welche strukturellen Defizite, Überlastungen oder fehlenden Perspektiven in der Verwaltung dazu beigetragen haben könnten,
  • und weshalb die Verwaltungsspitze das Konfliktpotenzial nicht frühzeitig unterbunden hat, obwohl genau dafür Instrumente existieren?

Die Verantwortung hierfür liegt nicht bei einzelnen Beamten. Sie liegt bei der Dienstherrin Stadt Lindau – und damit letztlich bei der Oberbürgermeisterin, die für Organisation, Personalführung und Vertrauensschutz der Verwaltung verantwortlich ist.

Statt Führung zu zeigen, wird nun rückwärts moderiert. Statt Ursachen zu analysieren, werden Symptome bekämpft. Das Ergebnis ist absehbar:
Die Stadt steht vor der schwierigen Aufgabe, eine belastete Führungsposition im Bauamt neu zu ordnen, und sie hat gleichzeitig einen hochqualifizierten Mitarbeiter öffentlich demotiviert, obwohl dieser sich ausdrücklich zur Stadt bekannt hat.

Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Führungsversagen.

Wer qualifizierte Fachkräfte halten will, darf sie nicht erst dann schützen, wenn der Schaden bereits entstanden ist. Wer Vertrauen in die Verwaltung bewahren will, muss Verantwortung dort benennen, wo sie hingehört – an der Spitze, nicht an der Basis.

Alles andere ist bequem. Aber es ist nicht ehrlich.